Wieder bin ich in Dogola, wieder in der Schule. Aber diesmal ist etwas anders. Der Lehrer fehlt. Er ist auf Fortbildung und ich eröffne die Schule heute ohne ihn. Die Kinder sehen mich erwartungsvoll aus ihren Schuluniformen heraus an. Es ist kein Zufall, dass sie ihre Schuluniformen anhaben, denn es ist Montag. Nur Montags werden hier in Dogola die Schuluniformen angezogen, die werden nämlich viel zu schnell dreckig. Aber mindestens Montags muss es schon sein. Montags wird sich nämlich im Schulhof aufgereiht und dann Eins-Zwo die Nationalhymne gesungen. Ich zähle nur an, den Rest überlasse ich ihnen. Ich stehe rechts von der Fahne, so wie es gesetzlich vorgegeben ist. Wir stehen alle stramm, denn so wollen das die Staatsmänner, Hände gefaltet. Für mich alles ein bisschen ungewohnt, aber ich will niemanden vor den Kopf stoßen. Ich bin ja nur Gast in diesem Land. Fingernagelkontrolle erspare ich mir dann aber doch und ruf schnell die Klassen einzeln zum Reingehen auf. Auf geht’s, hinein in meinen ersten Vollblutlehrertag. Die Kleinen werden mit Sätzen wie „Papa raucht Pfeife“ beschäftigt, zugegebenermaßen nicht sehr kreativ von mir. Die Großen diktieren sich selbst einen Text über den menschlichen Körper. Kopf-Rumpf-Extremitäten. Und dazu die einzelnen Funktionen. Mit den beiden mittleren Graden gehe ich nochmal die Textklasse Geschichte durch, was ist denn bloß der Unterschied zu einer Legende? Dann schreiben sie eine Zusammenfassung über eine hübsche Vogelgeschichte aus dem Lehrbuch. Nach der Pause setze ich mich noch mal mit den Großen auseinander. Die fünf Sinne. Welche sind chemisch, welche mechanisch oder auch optisch? Durch welches Medium werden die Signale übertragen? Was sind die Organe? Beim Tastsinn kommen wir ins Stocken. Sie rätseln herum. Schließlich muss ich ihnen die Lösung sagen: Es ist die Haut. Die Zusammenfassungen zur Vogelgeschichte sind leider nur sehr dürftig geworden. Die Kleinen werden ungeduldig, streiten sich, werden laut. Anita bricht in Tränen aus. Sie hat ihren Bleistift zerbrochen. Eine der Älteren klebt ihn mit Klebeband wieder zusammen. Ronaldos Radiergummi ist durch eine Ritze im Boden gefallen. Die Unruhe ist nicht mehr aus der Klasse zu kriegen. Als ich ihnen ihre Hausaufgaben gebe, ist es schon zwölf. Ich entlasse sie eine halbe Stunde zu spät zum Mittagessen. Ich bin völlig geschafft.